Antrag der KBV, ARO und DKD für DOMINIG III beim BMFT
Arzt-Kommunikations- und Auskunftssystem AKAS,
im Auftrag des ZI erstellt von W. Giere, 1973 (!)
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1.3.3.5 Fortbildungssystem

Zunehmender Zwang zur Spezialisierung und exponentiell wachsendes medizinisches Wissensgut erlauben es dem niedergelassenen Arzt immer weniger, sich mit den Entwicklungen zu beschäftigen, die etwas außerhalb oder am Rande des eigenen Spezialgebietes liegen, obwohl sie, als medizinisches Grundwissen, sehr wohl jedem Arzt zur Kenntnis gebracht werden müßten. Zeitmangel läßt es für diese Ärzte nicht zu, daß dieses medizinische Grundwissen in Fortbildungsveranstaltungen immer wieder aktualisiert wird, jedoch kommen in jeder Praxis zu Beginn, im Laufe oder am Ende des Tages kurze Zeiten (Minuten) der Muße vor, die für die Fortbildung benutzt werden könnten.

Über programmierte Unterweisungssysteme könnte in solchen Zeiten jedem Arzt z. B. eine per Zufallszahlengenerator ermittelte "Frage des Tages" gestellt werden (Multiple-Choice-System). Wird sie richtig beantwortet, stellt das System ggf. eine neue Frage, wird sie falsch beantwortet, erläutert das System stufenweise den zugrundeliegenden Sachverhalt. (Ein Beispiel dafür - allerdings nicht EDV-unterstützt, sondern in Form von Heften - ist das Medical Knowledge Self Assessment Program des The American College of Physicians bzw. der Kongress-Gesellschaft für Ärztliche Fortbildung e. V.)

Daneben ist die Fortbildungsinformation über Notfallprobleme der Praxis, gegliedert nach den Fachgebieten, eine besonders dringliche und erfolgversprechende Aufgabe.

Darüber hinaus sollte die gebotene Fortbildung sich nicht nur auf den Arzt, sondern auch auf sein Praxispersonal beziehen.

Voraussetzung für diese Art ärztlicher Fortbildung ist das Vorhandensein eines dialogfähigen Datenendgerätes, d. h. eines Datensichtgerätes in der ärztlichen Praxis. Damit die Antwortzeit des zentralen Systems in vertretbaren Grenzen bleibt, ist dazu eine Datenübertragungsrate von mindestens 1200 Baud zu fordern; d. h. es sind bei Postleitungen wähl- oder festgeschaltete Telefonverbindungen notwendig. Das zentrale Rechenzentrum muß dabei jedem angeschlossenen Arzt im Mehrbenutzer-Echtzeitbetrieb zur Verfügung stehen.

Nach grundsätzlicher Implementierung eines solchen Fortbildungssystems muß selbstverständlich der sachliche Inhalt der programmierten Unterweisung laufend von Institutionen der ärztlichen Fortbildung gepflegt werden.

Zur Fortbildung muß auch Literatur in der Zentrale aufbereitet werden und dann im AKAS zur Verfügung stehen. Zur stufenweisen Einführung ist die Verwendung von Literaturmaterial zu empfehlen, das bei der Dokumentation des wissenschaftlichen Springer-Verlages (Berlin Heidelberg New York) verarbeitet wird: aus rund 2700 Zeitschriften der Weltliteratur, aus Monographien und Tagungsberichten wählen 35 Redakteure (medizinische Fachleute) Veröffentlichungen zum Referieren aus. Die Referate werden wiederum von Medizinern (insgesamt 6000 freie Mitarbeiter) je nach Fachgebiet und Sprachkenntnis angefertigt, dann von den Redakteuren klassifiziert und zu Referateblättern ("Zentralblätter") zusammengestellt. Die Einspeicherung der einzelnen Referate - vor dem Druck - in das Informationssystem bietet sich an.

Durch kritische Auswahl der Ausgangszeitschriften und daraus der einzelnen Veröffentlichungen mit Fachleuten für die einzelnen Gebiete ergibt den qualitativ hohen Stand dieser Literaturdokumentation (detaillierte Berichterstattung).


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